Schnapsidee #2 - Raven

Samstagnacht. Wir betreten die Hallen des Grauens. Der Alkohol wirkt und wir verlieren uns völlig in der Musik. Ein Fuß neben den anderen, Schweißtropfen und Alkohollachen. Der Techno wummert während bunte Mandalas auf die Wand projiziert werden. Ein Blick hoch zur Bühne und das eigene Starren wird von leuchtenden Katzenaugen hinter dem DJ- Pult erwidert. Die Katze reißt die Arme in die Höhe und der dauerhafte Beat wird von immer wiederkehrendem Blitzlichtgewitter, ausgehend von einem Fotografen, unterbrochen. Seine Suche nach fotogenen Möchtegerns und deren Suche nach Gleichgesinnten verliert sich in der großen beinahe leeren Halle. Eine Gruppe von tanzenden Gestalten werfen sich immer und immer wieder eine Frisbee zu. Pure Ausgelassenheit, pochender Rhythmus, polarisierende Meute. Unser Abend - bestimmt nicht. Der Hunger überkommt uns.

Durch einen kleinen Sprung übers Balkongeländer der alten Hallen des Wissenschaftshafens sichern Lara und ich uns den Heimweg in Richtung Hasselbachplatz. Ein viel zu langer Weg, der uns noch viel länger vorkommt. Es fehlt der Rhythmus, zu dem man vor kurzem noch tanzte. Endlich in den eigenen Vier Wänden angekommen, scheint das Bett wie ein Schiff, das geentert werden muss. An Bord kann bei wiederkehrendem Tageslicht nicht an schlafen gedacht werden. Der Alkohol in unserem Blut führt zu starkem Seegang, der scheinbar nicht enden will. Der Ozean erscheint uns unendlich weit und wild. Das Ertönen des Handys kommt uns daraufhin wie ein erwartetes Lebenszeichen der zubettgegangenen Besatzung vor. Am anderen Ende der Leitung meldet sich Offizier Felix, der eine völlig zerstörte und aufgelöste Anna vor der eigenen Haustür stehen hat: ohne Kreditkarte, Handy und Schlüsselbund. Rettung im aufkommenden Sturm ist Nathali. Sie ist wie ein Anker in der Not und Anna scheint vorerst gerettet. Mit Sorge und Kummer heißt es für sie wenigstens ein paar Stunden ausruhen. Schlaf finden wir trotzdem diesen Morgen kaum. 
In den neu eingetroffenen Abendstunden zeigt sich im Hafen der Friesenstraße ein einlaufendes Schiff, welches Anna hoffnungsvoll durch die Haustür in Richtung Reling irren lässt. Der verschollen gegoltene Schatz aka Annas Habseligkeiten rutscht von den Händen des Kapitäns der Buslinie 75 in ihre. Mit einem Lächeln verabschiedet sich Anna von dem Ehrenmann und beide stechen wieder in See.

Miriam